Der CDU-Bundespolitiker Thomas Bareiß gehört seit 2005 dem Bundestag an und vertritt dort den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen. (Archivbild)
Elisa Schu/dpa
Der CDU-Bundespolitiker Thomas Bareiß gehört seit 2005 dem Bundestag an und vertritt dort den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen. (Archivbild)
CDU-Bundespolitiker

Reue und Ruhe: Nach Unfallermittlung zieht Bareiß Konsequenz

Vielleicht war der Druck am Ende zu stark: Der CDU-Bundespolitiker Thomas Bareiß nimmt nach seinem schweren Autounfall und wegen der Ermittlungen gegen ihn eine Auszeit.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten im Bundestag droht der steilen Polit-Karriere von CDU-Bundespolitiker Thomas Bareiß als konservativer Hoffnungsträger das Aus. Der Verdacht: Der 51-Jährige soll synthetische Betäubungsmittel zu sich genommen und einen schweren Unfall verursacht haben. Nicht zuletzt auch unter dem Druck der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft zieht der Bundespolitiker aus Balingen nun Konsequenzen. 

In einer persönlichen Erklärung kündigte er eine Auszeit und parteipolitische Konsequenzen an, auch bittet er um Entschuldigung. «Ich habe in der vergangenen Zeit Entscheidungen getroffen, die ich sehr bereue und die die an mich zurecht gestellten Ansprüche nicht erfüllen», heißt es in der Erklärung, die der 51-Jährige über seinen Anwalt verbreiten ließ. 

Er wolle die sitzungsfreie Zeit des Bundestages für eine Auszeit nutzen und sich intensiv seiner Gesundheit widmen, kündigte Bareiß weiter an. Er wolle zudem sein Amt als Bezirksvorsitzender der CDU Württemberg-Hohenzollern ruhen lassen und nicht erneut zur Wiederwahl antreten. Sein Heimatverband reagierte kurz und kühl: Die Ankündigung von Bareiß sei «folgerichtig und verdient unseren Respekt», teilten seine Stellvertreter mit. 

Der Jungen Union Zollernalb reicht die Erklärung hingegen nicht: Der Parteinachwuchs forderte, dass Bareiß sein Bundestagsmandat niederlegt. Den Vertrauensvorschuss der Wählerinnen und Wähler habe er trotz der Entschuldigung restlos verspielt, teilte der Kreisverband am Abend mit. «Thomas Bareiß hätte in seiner Erklärung persönlich Größe beweisen und auch sein Bundestagsmandat niederlegen müssen.» Die Junge Union Zollernalb sei «zutiefst enttäuscht», dass er diesen Schritt unterlassen habe. 

Verdacht nach Blutanalyse 

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Bundestagsabgeordneten wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Straßenverkehrsgefährdung und der fahrlässigen Körperverletzung. Ende der vergangenen Woche hatte die Polizei nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hechingen den Führerschein des Politikers sichergestellt. 

Der Verdacht beruht laut Staatsanwaltschaft vor allem auf dem Ergebnis einer Blutanalyse. «Vor deren Hintergrund besteht der Verdacht, dass der Beschuldigte den Verkehrsunfall verursacht hat und dabei nicht unter Alkoholeinfluss, jedoch unter dem Einfluss eines synthetischen Betäubungsmittels stand», hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gesagt.

Substanz war kein Medikament 

Um welche Substanz es sich genau handelt, wollte die Staatsanwaltschaft nicht preisgeben. Sie habe sich aber in einer «relevanten Menge» im Blut des Politikers befunden. Die synthetische Substanz unterliege dem Betäubungsmittelgesetz. Es handele sich nicht um ein Medikament. 

Nach dem Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität des Bundeskriminalamtes (BKA) handelt es sich bei synthetischen Betäubungsmitteln um «künstlich hergestellte, vorwiegend psychotrope Substanzen, (...) die aus chemischen Komponenten zusammengesetzt sind und außerordentliche Wirkungsvielfalt aufweisen können.» Dazu gehören in Europa und insbesondere in Deutschland unter anderem Amphetamin und seine Derivate – in Tablettenform als «Ecstasy» bezeichnet – sowie LSD. 

Mehrere Verletzte bei Unfall 

An dem Unfall am 12. Juli auf der B27 zwischen Hechingen und Balingen waren nach Polizeiangaben zwei Fahrzeuge beteiligt. Ein 51-Jähriger, der mit seinem Wagen auf der linken Spur fuhr, kollidierte mit einem Auto auf der rechten Spur. Der Wagen des Mannes habe sich überschlagen, und der Fahrer sei schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. 

Die Polizei hat bislang keine Angaben dazu gemacht, ob es sich dabei um den Politiker Bareiß handelt. Der 50-jährige Fahrer des anderen Autos und seine beiden Mitfahrerinnen im Alter von 40 und 47 Jahren wurden laut Polizei ebenfalls verletzt und kamen ins Krankenhaus. 

Der «Schwäbischen Zeitung» sagte Bareiß zuletzt, er erinnere sich nicht an den Unfall. «Ich habe noch das Bild im Hinterkopf, wie ich kopfüber den Feuerwehrmann sehe, der mich aus dem Auto rausgezogen hat», sagte er demnach. 

Seit mehr als 20 Jahren im Bundestag

Bareiß sitzt seit 2005 im Bundestag und vertritt dort den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen. Der 51 Jahre alte Diplom-Betriebswirt war von 2018 bis 2021 Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Tourismus- und Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung. In dieser Legislaturperiode ist Bareiß Mitglied im Haushaltsausschuss.

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