Mehr als ein Drittel der Menschen im Südwesten wünscht sich einer Umfrage zufolge, dass Boris Palmer nach der Landtagswahl eine Rolle auf Landesebene spielt - obwohl der Tübinger Oberbürgermeister darauf überhaupt keine Ambitionen zeigt. 39 Prozent der Befragten gaben in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur an, Palmer solle nach der Wahl am 8. März ein Amt in der Landespolitik bekommen. Dagegen sprechen sich 18 Prozent der Befragten aus, 21 Prozent haben keine Meinung, und weitere 21 Prozent kennen den parteilosen Politiker, der früher den Grünen angehörte, nicht.
Fans hat der 53-Jährige der Umfrage zufolge über fast alle Parteien hinweg. Unter den Anhängern der FDP wären sogar 60 Prozent für eine Rolle Palmers auf Landesebene, unter den Anhängern von Grünen, CDU und SPD ist etwa jeder Zweite dafür. Nur unter den Anhängern der Linken sind mehr Befragte gegen ein Amt für Palmer als dafür.
Nur Kretschmann und Özdemir sind bekannter im Land
Auch bei der Bekanntheit sticht Palmer viele Landespolitiker aus. Fast vier von fünf Befragten (79 Prozent) kennen ihn der Umfrage zufolge. Damit ist er nach Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir (94 Prozent) und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (93 Prozent) der drittbekannteste Politiker im Südwesten. Zum Vergleich: Den CDU-Spitzenkandidaten für die Wahl, Manuel Hagel, kennen der Umfrage zufolge 52 Prozent der Befragten. AfD-Kandidat Markus Frohnmaier ist 46 Prozent der Befragten ein Begriff.
Palmer war zu Beginn seiner Karriere Landtagsabgeordneter und ist seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen. Er war bereits als möglicher Nachfolger von Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) gehandelt worden, bevor er 2023 nach mehreren Skandalen bei den Grünen austrat.
Über Palmers Rolle gibt es seit längerem immer wieder Diskussionen. So hatte sich der 53-Jährige selbst kürzlich offen für eine Rückkehr zu den Grünen gezeigt. «Hoffnung habe ich. Und es wird auch viel damit zu tun haben, ob es Cem Özdemir gelingt, die Grünen in Baden-Württemberg mit einem Wahlerfolg auf Kretschmann-Kurs zu halten», sagte Palmer.
Immer wieder Signale der Annäherung mit den Grünen
Auch führende Köpfe der Grünen hatten immer wieder Signale der Annäherung gesendet. Spitzenkandidat Özdemir hatte schon vor längerer Zeit gesagt, er würde sich wünschen, dass es für Palmer einen Weg zurück in die Partei gebe. Ministerpräsident Kretschmann hatte gesagt: «Es wäre schön, wenn er wieder zurückkehrt.»
Mit Blick auf die Landtagswahl am 8. März hatte sich Palmer bereits öffentlich hinter Özdemir gestellt - auch gemeinsame Auftritte im Wahlkampf sind geplant. Heute besichtigt Özdemir gemeinsam mit Palmer eine Solarthermie-Anlage in Tübingen, Mitte Februar ist noch eine gemeinsame Abendveranstaltung geplant.
Für die repräsentative Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut YouGov vom 14. bis 22. Januar 1.028 Wahlberechtigte ab 16 Jahren in Baden-Württemberg. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,3 und 3,1 Prozentpunkten. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten.
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