Andrij Jermak war die einst rechte Hand von Präsident Wolodymyr Selenskyj. (Archivfoto)
Dan Bashakov/AP/dpa
Andrij Jermak war die einst rechte Hand von Präsident Wolodymyr Selenskyj. (Archivfoto)
Korruptionsbekämpfung in Kiew

Ex-Präsidialamtschef Jermak gegen Kaution auf freiem Fuß

In der Ukraine saß Ex-Präsidialamtschef Jermak tagelang in Untersuchungshaft. Nun ist der einst mächtigste Mann hinter Präsident Selenskyj gegen Auflagen frei.

Das Oberste Anti-Korruptions-Gericht in der Ukraine hat den wegen Geldwäsche-Vorwürfen tagelang inhaftierten früheren Präsidialamtschef Andrij Jermak gegen Zahlung einer Millionen-Kaution auf freien Fuß gesetzt. Medien in Kiew zeigten Aufnahmen, wie Jermak in einem Anzug gekleidet morgens das Untersuchungsgefängnis verließ. Er ist unter Auflagen frei und darf die Ukraine nicht verlassen. Erst in der vergangenen Woche hatte das Gericht eine 60-tägige Untersuchungshaft angeordnet. 

Das Gericht setzte umgerechnet 2,72 Millionen Euro als Kaution fest. Das Geld sei in den vergangenen Tagen von Unterstützern gesammelt worden, berichteten Medien in Kiew. Demnach sollen Jermaks Anwalt, Ihor Fomin, mehrere Prominente, aber auch Unternehmen hohe Beträge überwiesen haben. Zu den Auflagen gehört, dass Jermak eine elektronische Fessel tragen muss und keinen Kontakt zu anderen Beschuldigten in dem Strafverfahren haben darf.

Der 54-Jährige war bis zu seiner Entlassung im November die rechte Hand von Präsident Wolodymyr Selenskyj – und beteuert seine Unschuld. Er soll als Angehöriger einer organisierten kriminellen Gruppe an Geldwäsche von umgerechnet fast neun Millionen Euro im Zusammenhang mit einem Luxusbauprojekt in der Nähe Kiews beteiligt gewesen sein. Jermak weist das kategorisch zurück. Bei einer Verurteilung drohen Jermak laut ukrainischen Medien acht bis zwölf Jahre Gefängnis.

Fall erschüttert die Ukraine innenpolitisch

Der Fall des nach Selenskyj einst zweitmächtigsten Mannes in Kiew erschüttert die sich gegen den russischen Angriffskrieg verteidigende Ukraine. Selenskyj will das Land in die Europäische Union führen und hat nach einer Vielzahl von Finanzskandalen den westlichen Geldgebern einen kategorischen Kampf gegen die Korruption sowie Reformen zugesichert. Nach der Festnahme Jermaks hatte er sich aber nicht geäußert zu den Vorwürfen.

Jermak war als Vertrauter Selenskyjs auch lange maßgeblich an den internationalen Verhandlungen für eine Beendigung des Krieges beteiligt. Seit langem halten sich in Kiew Gerüchte, er lasse sich in der Nähe von Kiew neben anderen eine Residenz mit 1.000 Quadratmetern Wohnfläche bauen in dem Villenviertel «Dynastia» in dem Ort Kosyn. 

Jermaks Anwalt, Fomin, warf dem Gericht bei den Anhörungen vorige Woche vor, nichts als Mutmaßungen zu präsentieren. Es gebe keine Beweise für die Anschuldigungen. Er hatte beantragt, Jermak gegen eine bezahlbare Kaution auf freien Fuß zu setzen.

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