Neuer Vorschlag soll Bewegung in EU-Haushaltsstreit bringen
Der Streit um den nächsten EU-Haushalt spitzte sich zuletzt zu, als Friedrich Merz einen irischen Vorschlag zurückwies. Nun will António Costa neue Bewegung in die Verhandlungen bringen.
Der Streit um den nächsten EU-Haushalt spitzte sich zuletzt zu, als Friedrich Merz einen irischen Vorschlag zurückwies. Nun will António Costa neue Bewegung in die Verhandlungen bringen.
Im Streit um den nächsten langfristigen EU-Gemeinschaftshaushalt will Ratspräsident António Costa in den kommenden Wochen einen neuen Verhandlungsvorschlag präsentieren. Wie eine EU-Beamtin am Rande des Herbstgipfels in Brüssel sagte, wird es dann am 26. November ein Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs geben. Im Idealfall soll dann drei Wochen später beim regulären Gipfel eine Einigung erzielt werden.
In einer Erklärung der Staats- und Regierungschefs vom Abend wird EU-Ratspräsident Costa aufgefordert, die Verhandlungen über den nächsten Haushalt für die sieben Jahre von 2028 bis 2034 mit Blick auf eine «rechtzeitige Einigung» voranzubringen. Ein Abschluss noch vor Ende 2026 würde es ermöglichen, 2027 die notwendigen Rechtsakte zu verabschieden, damit Anfang 2028 ohne Unterbrechung EU-Gelder fließen können, heißt es in dem Text.
Verhandlungen in drei Bereichen
Den Angaben der EU-Beamtin zufolge will Costa die Verhandlungen nun vor allem in drei Bereichen vorantreiben. Zum einen soll verhindert werden, dass die nationalen Beiträge für einzelne Mitgliedstaaten auf ein politisch nicht mehr akzeptables Niveau steigen. Zum zweiten soll gemeinsam mit der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten an einem neuen Paket zusätzlicher EU-Eigenmittel gearbeitet werden.
Dabei sollen auch neue Ideen geprüft werden, darunter Vorschläge des Europaparlaments und eine mögliche 6G-Eigenmittelquelle. Drittens soll der Haushalt genügend Flexibilität behalten, um auf unvorhersehbare Krisen reagieren zu können. Bei der 6G-Eigenmittelquelle geht es darum, das Erlöse aus der Vergabe beziehungsweise Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen für 6G für den EU-Haushalt genutzt werden könnten.
Deutschland will ans Gesamtvolumen
Anders als zeitweise diskutiert, sollen die Verhandlungen über mögliche neue Eigenmittel zudem nicht separat vorgezogen werden. Stattdessen sollen Ausgabenhöhe, nationale Beiträge, neue Einnahmequellen und Flexibilität als ein Gesamtpaket verhandelt werden. Dahinter steht die Überlegung, dass zusätzliche EU-Einnahmen Spielraum schaffen könnten, um einen ambitionierteren Haushalt zu finanzieren, ohne die Beiträge der Mitgliedstaaten entsprechend stark anheben zu müssen.
Wie hoch der nächste Finanzrahmen am Ende ausfallen soll, bleibt dabei offen. Die EU-Beamtin machte deutlich, dass beim nächsten Verhandlungsvorschlag an allen Stellschrauben gearbeitet werden müsse. Ob das Gesamtvolumen gegenüber dem jüngsten irischen Vorschlag steigt oder fällt, sei noch nicht absehbar, hieß es. Auch für die für viele Länder wichtigen Agrar- und Strukturförderungsmittel gibt es bislang keinen neuen Ansatz.
Verhärtete Fronten
Der Streit über die künftigen EU-Finanzen hatte sich zuletzt am vergangenen Wochenende weiter zugespitzt. Bundeskanzler Friedrich Merz wies dabei ein neues Konzept der aktuellen irischen Ratspräsidentschaft bereits wenige Stunden nach der Veröffentlichung als inakzeptabel zurück.
Dieses sah vor, den nächsten Etat gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission um rund 159 Milliarden Euro auf insgesamt rund 1,826 Billionen Euro für den Siebenjahreszeitraum von 2028 bis 2034 zu kürzen. Deutschland und weitere wichtige Nettozahlerländer wie die Niederlande, Schweden und Österreich hatten zuvor eine Kürzung des Haushaltsentwurfs um mehrere Hundert Milliarden Euro gefordert. Sie gehören zu den Staaten, die unter dem Strich mehr in den EU-Haushalt einzahlen, als sie zurückerhalten.
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