Der FC Bayern bejubelte in Elversberg einen mühevollen Arbeitssieg.
Uwe Anspach/dpa
Der FC Bayern bejubelte in Elversberg einen mühevollen Arbeitssieg.
Bundesliga

Nach Dorf-Ausflug: Eberl nimmt Bayern-Profis in die Pflicht

Der FC Bayern wird seinem Anspruch beim Arbeitssieg in Elversberg erst in der Schlussphase gerecht. Das ruft den Sportvorstand auf den Plan, der mahnende Worte an das Team richtet.

Der Abenteuer-Ausflug ins kleine Bundesliga-Dorf Spiesen-Elversberg brachte dem großen FC Bayern eine wichtige Erkenntnis. «Die Lehre ist, dass es mit einem bisschen Weniger echt gefährlich werden kann. Das Spiel hat gezeigt: Egal, ob Elversberg, Dortmund oder Real Madrid - wir müssen in jedem Spiel an unser Limit kommen», sagte Münchens Sportvorstand Max Eberl nach dem mühevollen 2:1-Sieg des Rekordmeisters beim Sensations-Aufsteiger.

Der behäbige Auftritt des Starensembles von der Isar in den ersten 60 Minuten missfiel Eberl, weshalb er die Bayern-Profis für die kommenden Aufgaben in die Pflicht nahm: «Wir haben einen sehr ausgewogenen Kader und eine Konkurrenzsituation. Jeder muss in jedem Spiel sein Topniveau erreichen, um im nächsten Spiel wieder auf dem Platz zu stehen.» Die Botschaft dahinter lautet: Wer nicht zu 100 Prozent mitzieht, sitzt auf der Bank.

Auch Trainer Vincent Kompany haderte mit der Leistung bis zum 1:1. «Unser Tempo war nicht gut. Und in den Zweikämpfen waren wir nicht so da, wie wir das normalerweise sind», kritisierte der Belgier. Erst als Maurice Krattenmacher (61. Minute) mit einem Traumtor die Bayern-Führung durch Lennart Karl (26.) ausglich, erwachte der Favorit aus seinem Trott. 

Bank-Power das große Bayern-Plus

Allerdings nur dank einer personellen Blutauffrischung, für die Kompany mit der Einwechslung von Joshua Kimmich, Jamal Musiala, Luis Diaz und Alphonso Davies sorgte. «Das war brutal. Danach rollte der bayerische Zorn auf uns zu», sagte Elversbergs Trainer Vincent Wagner.

Harry Kane (72.) schoss die Münchner doch noch zum Sieg, den der englische Stürmerstar als «sehr wichtig» einstufte. Noch wichtiger aber sei: «Egal, wer beginnt oder von der Bank kommt, jeder muss bereit sein, 110 Prozent zu geben. Das hat man heute gesehen, als die Jungs reingekommen sind. Wir hatten mehr Energie, waren im Eins-gegen-eins direkter und hatten gegen Ende noch deutlich mehr Möglichkeiten», sagte Kane.

Ähnlich sah es Eberl. «Nach dem 1:1 haben wir eine Schippe draufgelegt. Da waren wir plötzlich spritzig, da war das Gegenpressing da, da war die Aggressivität da. Aber wenn du zulegst, hast du vorher vielleicht einen Touch zu wenig gemacht», übte der Sportvorstand leise Kritik an der auf sieben Positionen veränderten Startformation. 

Kompany will wiederkommen

An den außergewöhnlichen Umständen auf der Elversberger Stadion-Baustelle, wo sich die an Luxus gewöhnten Bayern-Stars in Containern umziehen mussten, wollte er die Defizite nicht festmachen. «Das ist cool und völlig in Ordnung. Wir haben uns total darauf gefreut. Das ist Fußball pur und hat uns nicht abgelenkt», sagte Eberl über die besonderen Rahmenbedingungen.

Kompany schwärmte sogar über den Trip des Rekordmeisters ins Saarland. «Wir sind in der Region von Tausenden Menschen warm aufgenommen worden. Ich habe das so noch nie erlebt», sagte der Bayern-Coach. «Dafür möchte ich mich bedanken.»

Der warmherzige Empfang war selbst für Kompany, der in der Fußball-Welt viel rumgekommen ist, etwas Besonderes. «Als wir ins Hotel kamen, dachte ich, da ist ein Festival. Aber es waren einfach nur Fans, die auf uns gewartet haben», berichtete der 40 Jahre alte Belgier und fügte hinzu: «Wir sind viel gewohnt. Aber das war eine andere Erfahrung und ist ein Extra-Grund, warum ich Elversberg das Allerbeste wünsche, damit wir nächstes Jahr wieder hierherkommen können.»

Auch sportlich gab es viel Lob für den Sensations-Aufsteiger, der die Bayern hart forderte. «Wir haben gegen einen mutigen und intelligenten Gegner gespielt, der viel Leidenschaft gezeigt hat. Es war eklig - und das meine ich als Kompliment. Es war ein schwieriger Tag für uns», resümierte Kompany.

Von Eric Dobias, dpa
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