Sabally hatte Mühe, offensiv Akzente zu setzen.
Andreas Gora/dpa
Sabally hatte Mühe, offensiv Akzente zu setzen.
Heim-Turnier in Berlin

Frankreich zu stark: Basketballerinnen bei WM um Bronze

Die Erfolgsserie der deutschen Basketballerinnen ist beendet. Der Olympia-Zweite Frankreich ist im WM-Halbfinale zu stark. Doch eine Revanche kann eine historische Medaille bringen.

Dirk Nowitzki schwärmte von einem «Sommermärchen», doch eine goldene WM-Krönung wird es für die deutschen Basketballerinnen nicht geben. Brav klatschten Leonie Fiebich und Co. nach dem 64:86 (38:45) im Halbfinale mit den überlegenen Französinnen ab, dann bedankten sie sich bei den Fans in der ausverkauften Berliner Halle.

Den sensationellen Sprung ins WM-Endspiel verpassten die Gastgeberinnen zwar, der Traum von einer Medaille aber lebt weiter. Deutschland verfehlte zwei Tage nach dem spektakulären Coup gegen Europameister Belgien die nächste Überraschung. Gegner im Bronze-Spiel am Sonntag (16.30 Uhr) ist Spanien, das sein Halbfinale mit 66:76 gegen Topfavorit USA verlor.

Williams ragt bei Frankreich heraus

Nyara Sabally und Marie Gülich waren mit jeweils zwölf Zählern vor 12.650 Zuschauern, darunter auch Basketball-Ikone Nowitzki, die besten deutschen Werferinnen. Doch für den fünften Sieg in Serie waren die bei dieser WM herausragenden Französinnen um Gaby Williams (22 Punkte) zu stark. Deutschland leistete sich mehr als 20 Ballverluste.

Es seien «zu viele Ballverluste» gewesen, haderte Bundestrainer Olaf Lange nach dem Spiel. «Vor allem, welche Turnover wir hatten - völlig unnötig und sicherlich auch Turnover, die wir uns nicht erlauben können, um mit einem Gegner wie Frankreich mitzuhalten.»

Lange glaubt weiter an den Medaillen-Coup

Doch Lange und sein Team können das Turnier trotzdem mit einer Medaille beenden, wenn zum Abschluss ein Sieg gelingt. Gegen Spanien ist nun neun Tage nach dem 53:83-Debakel zum Turnierstart eine Revanche möglich.

«Natürlich haben wir eine Chance auf eine Medaille. Das ist völlig klar. Da hat auch keiner irgendwelche Zweifel», sagte Lange bei MagentaSport. Vor vier Jahren gewannen die Männer um Dennis Schröder in Berlin EM-Bronze, ehe sie 2023 Welt- und 2025 Europameister wurden.

Nowitzki: «Freue mich riesig für die Mädels»

Schon das Erreichen des Halbfinals war eine große Überraschung - und sie bescherte dem Deutschen Basketball Bund (DBB) eine ideale Konstellation für das Finalwochenende, an dem der Gastgeber die drei besten Teams der Welt herausforderte. «Ich freue mich riesig für die Mädels. Die Stimmung ist unglaublich. Wir haben uns tragen lassen von der Stimmung. Die Halle wird bombastisch werden», sagte Nowitzki bei ProSieben MAXX.

Außer ihm nahm auch Nationalmannschaftskapitän Dennis Schröder mit seiner Frau Ellen und seinem Sohn Platz in der ersten Reihe. Die erste Herausforderung für das deutsche Team war, gegen den klaren Favoriten nicht früh und deutlich ins Hintertreffen zu geraten. Denn: Frankreich hatte bis zum Halbfinale alle vier Partien mit mindestens 26 Punkten Differenz gewonnen.

Deutschland führt nur elf Sekunden

«Ich glaube nicht, dass wir das unbedingt als Druck sehen. Wir sehen das als Gelegenheit und als Möglichkeit. Der Druck ist auf Frankreich als Top-Zwei-Mannschaft der Welt», sagte Bundestrainer Lange bei MagentaSport. Und so spielte das deutsche Team von Beginn an frei auf. Früh konnte Nowitzki bei einem Fiebich-Dreier erstmals die Hand mit drei ausgestreckten Fingern Richtung Hallendach strecken.

Ein Dreipunktwurf von Alexandra Wilke, die ab kommender Woche wieder ihrem Job als Lehrerin nachgeht, ließ die Fans in der Arena laut jubeln. Zum Ende des ersten Viertels führte Deutschland für exakt elf Sekunden, doch Frankreich um Williams und Marine Johannès hatte immer die passenden Antworten. Der Olympia-Zweite, der in den vergangenen beiden Spielen 22 und 14 Dreier verwandelt hatte, zeigte sich offensiv viel variabler als Belgien.

Fehlstart in Halbzeit zwei

Unter dem Korb waren Nyara Sabally und Kapitänin Marie Gülich gegen ihre physischen Rivalinnen mächtig gefordert. Ein paar Unaufmerksamkeiten in der Offensive ließen den deutschen Rückstand zwischenzeitlich auf neun Punkte wachsen. Unter dem hohen Druck der französischen Defensive leistete sich das deutsche Team Fehlpässe, Schrittfehler und ein Doppeldribbling.

Nach vier deutlichen Siegen und der 30-Punkte-Klatsche gegen Spanien sollte auch Deutschlands sechstes WM-Spiel nicht bis ganz zum Ende spannend bleiben. Die Französinnen schafften - befeuert von deutschen Ballverlusten - einen 9:0-Lauf zum Start in die zweite Halbzeit. Das Team von Chefcoach Lange kam zwar noch einmal heran, doch wirklich eng wurde es nicht mehr. Auch, weil die bisher beste Werferin Frieda Bühner zu spät ins Spiel fand.

Von Patrick Reichardt und Christian Johner, dpa
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