Das Rekordtor: Leon Goretzka (2.v.l.) schießt den 102. Bayern-Treffer in dieser Saison.
Christian Charisius/dpa
Das Rekordtor: Leon Goretzka (2.v.l.) schießt den 102. Bayern-Treffer in dieser Saison.
Fußball-Bundesliga

Goretzka schießt Rekordtor: Bayern bereit für Real-Rückspiel

54 Jahre hielt der Bundesliga-Torrekord der großen Bayern-Generation um Franz Beckenbauer. Jetzt hat das aktuelle Team diese Bestmarke geknackt. Gegen St. Pauli fiel das 102. Bayern-Tor dieser Saison.

Freistoß Joshua Kimmich, Volleyschuss Leon Goretzka: So hat der FC Bayern München in der Fußball-Bundesliga einen 54 Jahre alten Torrekord gebrochen. Zwischen den beiden Champions-League-Krachern gegen Real Madrid gewannen die Bayern mit 5:0 (1:0) beim FC St. Pauli und schossen dabei ihre Saisontreffer 101 bis 105. Die bisherige Bestmarke aus der Saison 1971/72 hatte bei 101 Toren gelegen.

Damals erzielte Bayern-Legende Franz Beckenbauer das Rekordtor bei einem 5:1-Sieg gegen Schalke 04. Diesmal gelang Goretzka der historische 102. Treffer in der 53. Minute zum 2:0. Michael Olise (54.), Nicolas Jackson (65.) und Raphael Guerreiro (89.) bauten den Rekord noch weiter aus. Fünf Spieltage vor dem Saisonende haben die Bayern nun zwölf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Dortmund.

Goretzka war sich im Spiel der Rekord noch gar nicht bewusst. «Ich musste mir erst einmal erklären lassen, welcher Rekord. Das ist insofern ganz nett, denn ich glaube, in den Geschichtsbüchern stehe ich bis jetzt mit dem schnellsten Eigentor der Geschichte», sagte Goretzka beim TV-Sender Sky. 

Trainer Vincent Kompany ergänzte: «Es freut mich aus zwei Gründen. Wenn ein Spieler an seine Momente glaubt, dann ist es Leon. Und dass er jetzt unseren Stürmern den Torrekord wegnimmt, dann ist es auch typisch Leon. Und dann freut es mich auch: Den Rekord gab es schon so lange. Was ich gerne habe, ist, dass unsere Mannschaft für Tore steht. Sie dürfen stolz sein.»

Jamal Musiala hatte die Münchner in der 9. Minute mit 1:0 in Führung gebracht. Das zweite Saisontor des lange verletzten Nationalspielers war seine Antwort auf eine Debatte, die der frühere Bayern-Kapitän und -Vorstandschef Oliver Kahn unter Woche losgetreten hatte. Musiala sollte nach Meinung des früheren Nationaltorwarts freiwillig auf eine WM-Teilnahme im Sommer verzichten.

«Irgendwann wird dieser Moment kommen, dann wird er positive Dinge erleben - Zweikämpfe, vielleicht ein Tor, vielleicht ein Assist, vielleicht ein besonderer Moment gegen Real Madrid - dann wird alles vergessen sein», sagte Sportvorstand Max Eberl daraufhin kurz vor dem St.-Pauli-Spiel bei Sky über Musiala. Damit sollte er schneller Recht behalten als erwartet.

St. Paulis Sport-Geschäftsführer Andreas Bornemann war dagegen ein wenig verärgert: «Wir haben unnötigerweise Geschenke verteilt. Es ist keine Schande, gegen Bayern München zu verlieren. Die Höhe ist aber völlig unnötig. Unsere Stärke ist die Kompaktheit. Jetzt haben wir nicht nur keine Punkte geholt, sondern wichtige Tore hergeschenkt.» Hauke Wahl fügte hinzu: «Wir haben es verpasst, unsere kleinen Möglichkeiten zu nutzen. Wir wollten mutig spielen. Natürlich ist das Ergebnis zu hoch ausgefallen, aber wir sind nicht die erste Mannschaft, die von Bayern auf die Fresse bekommen hat.»

Bayern-Trainer schont sieben Stars

Den Torrekord hin, Musiala her: Auch die Partie vor 29.546 Zuschauern am Hamburger Millerntor stand bereits im Zeichen des Champions-League-Rückspiels gegen Real am kommenden Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN). Gleich sieben Spieler inklusive Torjäger Harry Kane schonte Bayern-Trainer Vincent Kompany nach dem 2:1-Sieg in Madrid. Und auch die Anhänger des FC St. Pauli drücken dem früheren Klassenfeind in Europa die Daumen: «Wir scheissen auf Madrid - Holt den Cup», stand auf einem Plakat in der Fankurve der Hamburger.

Im Spiel selbst war dann wenig von einer Kräfteschonung für das Real-Rückspiel zu sehen. Bayern erdrückte den Tabellen-16. in der ersten halben Stunde geradezu. Nach dem 1:0 gab es noch einen Lattenschuss von Kane-Ersatz Nicolas Jackson (11.), eine Großchance von Olise (17.) und einen weiteren Pfostentreffer von Musiala (28.).

St. Pauli hatte seine beste Phase in der Viertelstunde vor der Halbzeit - und hätte auch beinahe das 1:1 geschossen: In der 30. Minute kam Mathias Pereira Lage zehn Meter vor dem Tor frei zum Abschluss. Min-jae Kim warf sich aber in den Schuss und fälschte den Ball noch ins Toraus ab.

Meisterschaft schon nächstes Wochenende möglich

Nach der Pause dauerte das Warten auf den Bundesliga-Rekord dann nur noch wenige Minuten. Freistoß Joshua Kimmich, Kopfballverlängerung des St.-Pauli-Spielers Lars Ritzka, Volleyschuss Goretzka aus nur sechs Metern: So sah das 102. Bayern-Tor dieser Saison aus.

Nach dem folgenden 3:0 nutzte Trainer Kompany sofort die Chance, noch weitere Stammspieler für das Real-Spiel zu schonen: Auch Kimmich, Konrad Laimer und Torschütze Olise wurden ausgewechselt (59.).

Im Optimalfall stehen die Bayern nun vor einer besonders erfolgreichen Woche. Mit einem Halbfinal-Einzug in der Champions League am Mittwochabend. Und mit dem vorzeitigen Gewinn der 35. deutschen Meisterschaft nur vier Tage später. Denn wenn Borussia Dortmund am nächsten Samstag nicht bei 1899 Hoffenheim gewinnt und die Münchner am Sonntag den VfB Stuttgart schlagen, ist der Titel bereits perfekt.

Sebastian Stiekel, dpa
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