Auch in diesem Duell mit Real-Star Vinicius Junior war Manuel Neuer (l) in Madrid der Sieger. (Archivbild)
Jose Breton/AP/dpa
Auch in diesem Duell mit Real-Star Vinicius Junior war Manuel Neuer (l) in Madrid der Sieger. (Archivbild)
Champions League

Neuers Lust auf Mbappé und Viní Júnior: «Haben einen Lauf»

Nahezu alles spricht für den FC Bayern im Kampf ums Halbfinale: Form, Personal, Heimvorteil - und eine spezielle Statistik. Aber es ist halt Real Madrid, das nach München kommt.

Manuel Neuer freut sich schon auf das alles entscheidende zweite Privatduell mit Real Madrids Stürmerstars Kylian Mbappé und Vinícius Júnior. Und zur emotionalen Einstimmung auf das Viertelfinal-Rückspiel am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) in der ausverkauften Münchner Fußball-Arena wird sich der Torwart und Kapitän des FC Bayern auch noch einmal ein paar seiner Glanztaten vom 2:1 in Spanien ansehen. 

«Ich werde mir viel Bild- und Video-Material anschauen», berichtete der 40 Jahre alte Torwart-Veteran schmunzelnd nach dem Abschlusstraining. «Es ist klar, dass man diese Spieler kennt, dass man sie analysiert hat, dass ich eine gewisse Erfahrung habe», sagte der «Man of the Match» des Hinspiels vor einer Woche im Bernabéu-Stadion: «Aber wir spielen gegen eine ganze Mannschaft von Real.»

Wenn bei Neuer die Null steht, dann beendet der deutsche Rekordmeister seinen Real-Fluch in der Champions League. «Wir haben einen Lauf», sagte Neuer. «Und wenn wir als Mannschaft funktionieren, dann bin ich sehr positiv, dass wir ins Halbfinale einziehen können» 

Die selbstbewussten Bayern um Hinspiel-Held Neuer und Tormaschine Harry Kane muss trotzdem niemand vor den besonderen Comeback-Qualitäten von Real in Europas Königsklasse warnen. Die Münchner Triple-Jäger glauben nach dem ersten großen Schritt in Spanien felsenfest ans Weiterkommen. Anzeichen von Überheblichkeit sind beim bestens aufeinander abgestimmten Kollektiv von Trainer Vincent Kompany nicht im Ansatz herauszuhören.

«Wir kennen Real Madrid. Da ist es völlig egal, wie sie in Form sind. Wenn Champions League ist, dann performen sie», betonte Joshua Kimmich. Und Teamkollege Leon Goretzka verkündete: «Gewarnt werden müssen wir nicht. Das wissen wir schon ganz genau, gegen wen wir da spielen!»

Kompany: Alles wieder auf null in den Köpfen

Max Eberl benannte die Marschroute vor 75.000 erwartungsfrohen Fans, die dem Münchner Team lautstark den letzten Push verleihen sollen. «Kontrollierte Euphorie, das ist genau das, was wir haben», sagte der Sportvorstand. Wir wissen, was wir geleistet haben. Und trotzdem wissen wir, was für ein großer Gegner auf uns trifft. Wir wissen, dass wir noch nicht durch sind.» 

Für den maximalen Fokus wird vor allem der Trainer sorgen, für den Hochmut und Leichtsinn Fremdwörter sind. «Ich weiß, dass es noch nicht vorbei ist», sagte Kompany schon kurz nach dem Abpfiff in Madrid energisch. Er werde trotz des 2:1-Vorsprungs «in den Köpfen wieder alles auf null setzen». Sein Team sieht er «vom Gefühl her mental und körperlich bereit».

Die Bayern stellen sich auf «ein weiteres hartes Stück Arbeit» ein, wie Neuer sagte. Kann er mit einer weiteren Weltklasseleistung die Real-Offensive wieder zur Verzweiflung bringen? In Madrid hatten die lange dominierenden und durch Luis Díaz und Harry Kane mit 2:0 führenden Bayern gerade Mbappé viel zu viele Abschlussmöglichkeiten erlaubt.

Rüdigers Kampfansage und Mbappés Signal

«Es war ein harter Abend im Bernabéu. Aber die Geschichte ist noch nicht vorbei. Wir sind noch am Leben. Wir glauben an uns bis zum Schluss», lautete die Kampfansage von Nationalspieler Antonio Rüdiger an den FC Bayern.

Die Königlichen müssen neben dem weiterhin verletzten Torwart Thibaut Courtois auch den gesperrten Franzosen Aurélien Tchouaméni im Mittelfeld ersetzen. Für ihn dürfte der Ex-Dortmunder Jude Bellingham beginnen, der vor einer Woche nach seiner Einwechslung für viel königlichen Schwung sorgte.

Im Vollbesitz seiner Kräfte scheint auch wieder Stürmerstar Mbappé zu sein. Der Franzose hatte sich bei der missglückten Real-Generalprobe beim 1:1 gegen den FC Girona eine Kopfwunde zugezogen, die genäht werden musste. Mbappé trainierte zu Wochenbeginn aber schon wieder. Und sein Name stand auch vor dem Abflug des Real-Trosses nach München auf der Kaderliste.

Auch wenn Mbappé, der im Hinspiel das königliche Hoffnungstor zum 1:2 erzielte, auflaufen kann, spricht nahezu alles dafür, dass die Bayern ihren Real-Fluch nach den vier bitteren K.o.-Hieben im Halbfinale 2014, Viertelfinale 2017, Halbfinale 2018 und Halbfinale 2024 endlich durchbrechen können: Form, Personal, Heimvorteil - und auch die Europapokal-Statistik.

Nur einmal sind die Münchner in einer K.o-Runde nach einem Auswärtssieg im Hinspiel noch ausgeschieden, 2011 im Königsklassen-Achtelfinale gegen Inter Mailand. Nach dem 1:0 in Italien verloren sie daheim mit 2:3. Damals galt noch die Auswärtstorregel, deswegen kam Inter ohne Verlängerung weiter.

Der Real-Mythos und ein historisches 4:0 in München

Trotzdem hat Real Madrid diesen einzigartigen Champions-League-Mythos. Bis heute ist das 0:4 gegen das Real-Team um Cristiano Ronaldo im Halbfinal-Rückspiel 2014 die höchste Heimniederlage der Bayern in Europas Topliga.

Schon ein Unentschieden würde den Bayern zum Weiterkommen reichen. Aber auf solche Rechenspiele lässt sich Kompany nicht ein. «Meine Gedanken sind unkompliziert. Wir möchten das Spiel einfach zu Hause gewinnen», sagte er.

Der Belgier kann und wird wohl wieder auf die Startelf von Madrid setzen. Auch Nationalspieler Serge Gnabry ist nach seinen Knieproblemen fit, wie Kompany bestätigte. Jamal Musiala wird in seinem 50. Champions-League-Spiel damit wohl wieder die Rolle des Edeljokers einnehmen.

Von Klaus Bergmann, dpa
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