«Wahrhaft magische» Spiele: Italien feiert Olympia-Abschied
Die Winterspiele gehen in der Arena von Verona zu Ende. In einer farbenfrohen Show wird noch einmal Italien gefeiert. Die Rennrodler Tobias Wendl und Tobias Arlt tragen die deutsche Fahne.
Die Winterspiele gehen in der Arena von Verona zu Ende. In einer farbenfrohen Show wird noch einmal Italien gefeiert. Die Rennrodler Tobias Wendl und Tobias Arlt tragen die deutsche Fahne.
Arrivederci Italien: Mit einer farbenfrohen Show in der fast 2000 Jahre alten Arena von Verona sind die 25. Olympischen Winterspiele zu Ende gegangen. Nach dem sportlichen Spektakel auf Schnee und Eis standen die Athletinnen und Athleten noch einmal im Mittelpunkt, bevor um 22.41 Uhr das olympische Feuer erlosch.
Es seien «wahrhaft, wahrhaft magische» Spiele gewesen, sagte die neue Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Kirsty Coventry. Die frühere Schwimm-Olympiasiegerin lobte die Gastgeber: «Ihr habt Winterspiele der neuen Art veranstaltet und einen neuen Standard für die Zukunft gesetzt.»
Bei der Parade der Nationen liefen die Rennrodler und Goldmedaillen-Gewinner Tobias Wendl und Tobias Arlt als deutsche Fahnenträger in das Amphitheater ein. Die Doppelsitzer-Athleten harmonierten auch bei dieser Aufgabe prächtig als Duo. Die nächsten Winterspiele sind in vier Jahren in den französischen Alpen. Zuvor finden 2028 die Sommerspiele in Los Angeles statt.
Arena durch Oper-Aufführungen bekannt
Erstmals ging die Schlussfeier an einem Ort über die Bühne, an dem es überhaupt keine Wettbewerbe gegeben hatte: weder bei den offiziellen Gastgebern in Mailand und Cortina d'Ampezzo noch in einem anderen der Austragungsorte, sondern in der Arena von Verona. Das Amphitheater ist durch große Opern-Aufführungen im Sommer bekannt.
So begann die Schlussfeier auch mit einer Ode an die italienische Oper: Nach einem Einspielfilm mit dem Titel «A Night at the Opera» («Eine Nacht in der Oper») mit Figuren aus Opern wie «Aida» und «Rigoletto» standen diese plötzlich live auf der Bühne. Die Show vor mehr als 8.000 Zuschauern wurde in viele Länder übertragen.
Die letzten Gold-Medaillen wurden in der Arena der Schwedin Ebba Andersson und dem norwegischen Ski-Star Johannes Hoeslot Klaebo überreicht, die jeweils über 50 Kilometer Langlauf triumphiert hatten. Der 29-Jährige war mit sechs Olympiasiegen der mit Abstand erfolgreichste Athlet der Spiele.
Viel Applaus für Gastgeber Italien
Obwohl die Wettbewerbe auf so viele Orte verteilt waren wie noch nie, gab es für Italien international viel Applaus. Nach Angaben der Veranstalter wurden insgesamt 1,3 Millionen Eintrittskarten verkauft, etwa 150.000 seien ungenutzt geblieben.
In Italien selbst ist die Zufriedenheit auch deshalb groß, weil das «Team Italia» 30 Medaillen gewann, so viele wie bei Winterspielen noch nie - darunter zehnmal Gold. Für Deutschland gab es 26 Medaillen und damit eine weniger als noch vor vier Jahren in Peking. Golden waren acht davon. Ohne die Erfolge im Eiskanal (Rodel, Bob, Skeleton) hätte es schlecht ausgesehen.
Nur noch kleines deutsches Team bei Schlussfeier
So waren die beiden Rodler Arlt und Wendl bei der Schlussfeier in Verona auch besonders als Fahnenträger geeignet. Das Duo holte bei seinen letzten Spielen Bronze im Doppelsitzer sowie Gold in der Team-Staffel. Damit sind die beiden 38-Jährigen die erfolgreichsten deutschen Winter-Olympioniken überhaupt. Insgesamt kommen sie auf sieben Gold- und eine Bronzemedaille.
Neben dem Duo waren aus dem deutschen Team, das mit dem Rekordaufgebot von 185 Athletinnen und Athleten bei Olympia angetreten war, nur noch knapp 20 dabei. Die allermeisten sind längst schon abgereist. Die verbliebenen Athleten zeigten aber vollen Einsatz: Das Eiskunstlauf-Duo Annika Hocke und Robert Kunkel führte gar eine Hebefigur auf.
Neuer Schwung durch deutsche Olympia-Bewerbung?
Manche hoffen nun, dass eine mögliche deutsche Bewerbung für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 neuen Schwung bringt. Dabei könnte es passieren, dass Deutschland in Konkurrenz zum jetzt so zufriedenen Gastgeber Italien gerät: Dort wird intensiv erwogen, mit der Hauptstadt Rom ins Rennen zu gehen, die 1960 schon einmal Austragungsort war.
Für die Winterspiele in Italien gab es aber nicht nur Applaus. Am Sonntag demonstrierten mehrere Hundert Menschen in Verona dagegen. Kritik richtet sich unter anderem dagegen, dass trotz anderslautender Pläne Sportstätten wie der Eiskanal in Cortina völlig neu gebaut oder enorm ausgebaut wurden wie das Biathlon-Stadion in Antholz in Südtirol. Die Veranstalter hatten ursprünglich versprochen, für die «nachhaltigsten Spiele aller Zeiten» zu sorgen. Ob dies gelang, wird man erst später wissen.
Von Christoph Sator, Meyel Löning und Florian Lütticke, dpa
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