Kimi Antonelli ist nicht mehr weit vom WM-Triumph weg.
Vincent Thian/AP/dpa
Kimi Antonelli ist nicht mehr weit vom WM-Triumph weg.
Formel 1 in Singapur

WM für Antonelli «ganz nah» - Verstappen als Warnung

Auf dem Heimflug aus Südostasien darf Kimi Antonelli schon von der WM träumen. Max Verstappen kommt bei seiner Singapur-Show sogar fast ohne Worte aus. Seine Leistung? Ein Fingerzeig für 2027.

Vor der Glitzerkulisse von Singapur musste sich der kommende Formel-1-Weltmeister Kimi Antonelli wenigstens nicht mit einem möglichen Problemfall Max Verstappen beschäftigen. Was hätte es bloß für den WM-Kampf bedeutet, wenn der viermalige Champion im Red Bull in dieser Saison noch früher in die Erfolgsspur gefunden hätte? «Das wäre wirklich beängstigend», meinte Antonelli nach Verstappens Fünf-Sterne-Show in dem südostasiatischen Stadtstaat.

Der Niederländer gehört sechs Grand Prix vor dem Saisonfinale zu einem Sextett, das zumindest noch rechnerische Chancen auf den Titel hat. Der Favorit ist Antonelli, der schon beim nächsten Rennen in zwei Wochen in den USA zum jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte aufsteigen kann. Der Mercedes-Pilot würde mit erst 20 Jahren Sebastian Vettel ablösen, der 2010 bei seinem ersten Triumph mit Red Bull 23 Jahre alt war.

Löst Antonelli Vettel schon in Austin ab?

«Wenn man sich die Zahlen ansieht und die Wahrscheinlichkeit seines Erfolgs berechnet, liegt diese wahrscheinlich bei fast 100 Prozent. Aber es ist Motorsport, man kann eine Panne haben, man kann Unfälle bauen, und dann könnte es noch spannend werden», meinte Mercedes-Teamchef Toto Wolff über den greifbaren WM-Triumph für seinen Jungstar.

102 Punkte hat Antonelli Vorsprung auf seinen ersten Verfolger George Russell, dem im zweiten Mercedes immer mehr die Luft ausgeht. Der Mann aus Bologna wird schon in Austin Weltmeister, wenn er gewinnt, Russell höchstens Neunter und Ferrari-Star Lewis Hamilton höchstens Fünfter wird.

Da darf man auf dem Heimflug schon mal ein bisschen vom Gipfelsturm träumen, oder? «Auf jeden Fall. Ich weiß, dass es ganz nah ist. Ich weiß, dass es in Reichweite ist, aber ich muss sicherstellen, dass ich weiterhin mein Bestes gebe», beteuerte Antonelli, der sich mit einer exzellenten Leistung in Singapur samt starkem Überholmanöver gegen Hamilton kurz vor Schluss Rang drei sicherte. «Die Einstellung ist immer dieselbe: rausgehen, gewinnen und die beste Leistung zeigen.»

Aus dem Red Bull wurde wieder eine Rakete

Diese Mentalität eint ihn mit Verstappen. Der 29-Jährige wurde schon viermal Weltmeister. Genauso zeichnet ihn aus, wie er mit Red Bull die Entwicklung des Autos immer wieder in die richtige Richtung drehen kann. Nach einer miserablen ersten Saisonhälfte erkämpfte sich Verstappen nach der Sommerpause 112 Punkte. Nur Antonelli holte in diesem Zeitraum in sechs Rennen mehr (121).

Das neue Aerodynamik-Paket seit Baku Ende September hat den RB22 in Verbindung mit Verstappen wieder zu einer Rakete werden lassen. Bei Mercedes auf der anderen Seite verstehen sie die Eigenheiten ihrer Weiterentwicklung noch nicht ganz.

«Unser Auto hat wirklich einen schönen Schritt nach vorne gemacht», sagte Verstappen, auf dessen Siegeslandkarte in der aktuellen Formel 1 nach dem Erfolg in Singapur nur noch Madrid fehlt. «Es lässt sich einfach besser fahren und ist berechenbarer. Genau das wollte und brauchte ich von dem Auto, um diesen letzten Schritt zu machen und ganz vorne mitzukämpfen.» Verstappen «wie in alten Zeiten», kommentierte «As» in Spanien.

Wie hat Red Bull die Wende geschafft? Seit dem Knall-Abgang des langjährigen Teamchefs Christian Horner im Sommer 2025 herrscht wieder Ruhe im Rennstall. Es sei nun «weniger stressig», meinte Verstappen. Keine Nebenkriegsschauplätze mehr. Dafür ein geerdeter Teamchef in Laurent Mekies mit reichem Ingenieurshintergrund.

Verstappen ohne Worte

Verstappens neue Blüte muss eine Warnung an die Konkurrenz sein. Upgrades wird es bei Red Bull in diesem Jahr nicht mehr geben. Der Fokus liegt auf der Entwicklung des Autos für 2027. Bis dahin sollten auch die Probleme mit Verstappens Funk ausgeräumt sein. Sie begleiten ihn schon die ganze Saison, doch in Singapur war es extrem.

Während des Rennens klang Verstappens Stimme über Funk teilweise wie ein stotternder Roboter. Sein Renningenieur Gianpiero Lambiase, der mit dem Star zur Zeremonie auf das Podium durfte, griff auf einen Code zurück: Verstappen sollte irgendwann einfach gar nichts mehr erwidern, sondern stattdessen die Schalter am Lenkrad benutzen, um Antworten zu geben. Meisterklasse ohne Worte.

Martin Moravec, dpa
© dpa-infocom, dpa:261012-930-825770/1
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

TOM PETTY & THE HEARTBREAKERS mit LEARNING TO FLY

ROCK FM

ROCK FM


Es läuft:
TOM PETTY & THE HEARTBREAKERS mit LEARNING TO FLY